
Ihre Rechte nach einem unverschuldeten Unfall
Nach einem Unfall, den Sie nicht verschuldet haben, stehen Ihnen mehr Ansprüche zu, als die meisten Versicherungen von sich aus erwähnen. Hier lesen Sie, worauf Sie ein Recht haben.
Die gegnerische Haftpflichtversicherung reguliert Ihren Schaden. Das bedeutet aber nicht, dass sie Ihnen von sich aus alles zahlt, was Ihnen zusteht. Wer seine Rechte nicht kennt, verschenkt bares Geld. Dieser Artikel erklärt ausführlich, welche Ansprüche Sie nach einem unverschuldeten Unfall geltend machen können, wann Mitverschulden Ihre Ansprüche mindert und welche Fachbegriffe in Ihrem Gutachten wirklich bedeuten.
Wann gilt ein Unfall als unverschuldet?
Rechtlich unverschuldet ist ein Unfall, wenn Sie die im Straßenverkehr geltenden Sorgfaltspflichten eingehalten haben und der Unfallgegner durch einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO), etwa Vorfahrtsverletzung, zu geringer Abstand oder unachtsames Abbiegen, die alleinige Ursache gesetzt hat. Die Haftungsquote wird im Streitfall von der Versicherung, notfalls von einem Gericht, anhand der Betriebsgefahr und des jeweiligen Fehlverhaltens ermittelt.
In vielen Fällen ist die Sachlage eindeutig, etwa beim klassischen Auffahrunfall: Wer auffährt, haftet nach ständiger Rechtsprechung in aller Regel zu 100 %. In anderen Fällen, etwa bei Spurwechseln oder Kreuzungsunfällen, wird häufig eine Haftungsquote gebildet.
Gegner trägt die alleinige Schuld, Sie erhalten Ihren vollen Schaden ersetzt.
Mitverschulden auf beiden Seiten, Ihr Anspruch wird entsprechend der Quote gekürzt.
Sie tragen die alleinige Schuld. In diesem Fall zahlt Ihre eigene Kaskoversicherung, falls vorhanden.
Das steht Ihnen zu
Kostenloses Gutachten
Die gegnerische Versicherung zahlt die Kosten für ein unabhängiges Schadengutachten, und Sie dürfen den Gutachter frei wählen.
Mietwagen oder Nutzungsausfall
Solange Ihr Fahrzeug repariert wird, steht Ihnen ein Mietwagen zu, alternativ eine finanzielle Entschädigung für den Nutzungsausfall.
Wertminderung
Selbst nach fachgerechter Reparatur verliert ein unfallfreies Fahrzeug an Wert. Dieser Betrag wird gesondert erstattet.
Freie Werkstattwahl
Sie entscheiden, wo repariert wird, denn die Versicherung darf Ihnen keine bestimmte Werkstatt vorschreiben.
Anwaltskosten
Auch die Kosten für einen Fachanwalt für Verkehrsrecht trägt in der Regel die gegnerische Versicherung.
Abschleppen & Standgebühren
Notwendige Kosten für Abschleppdienst und Standgebühren gehören ebenfalls zum erstattungsfähigen Schaden.
Allgemeine Kostenpauschale
Für Aufwand wie Telefonate, Porto oder Fahrten wird meist zusätzlich eine Kostenpauschale von rund 25-30 Euro anerkannt.
Verdienstausfall
Können Sie wegen des Unfalls nachweislich nicht arbeiten, ist auch dieser Verdienstausfall erstattungsfähig.
Mit unabhängigem Gutachter vs. ohne
Ohne eigenen Gutachter
- Die Versicherung bewertet den Schaden selbst, in ihrem eigenen Interesse.
- Wertminderung und Nutzungsausfall werden häufig gar nicht erwähnt.
- Reparaturkosten werden oft niedriger angesetzt als tatsächlich nötig.
- Sie haben keine neutrale Dokumentation für den Streitfall.
Mit unabhängigem Gutachter
- Neutrale, nachvollziehbare Bewertung ausschließlich in Ihrem Interesse.
- Wertminderung und Nutzungsausfall werden vollständig erfasst.
- Reparaturkosten werden realistisch und rechtssicher kalkuliert.
- Belastbare Grundlage für Verhandlung, Widerspruch oder Gericht.
Wichtige Begriffe kurz erklärt
- Wiederbeschaffungswert
- Der Betrag, der nötig ist, um ein gleichwertiges Fahrzeug auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu ersetzen.
- Restwert
- Der Wert, den Ihr beschädigtes Fahrzeug im aktuellen Zustand noch hat, etwa beim Verkauf an einen Aufkäufer.
- 130-Prozent-Regel
- Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um bis zu 130 %, dürfen Sie trotzdem reparieren lassen, sofern Sie das Fahrzeug danach mindestens 6 Monate weiterfahren.
- Merkantile Wertminderung
- Der Wertverlust, den ein Fahrzeug allein durch die Tatsache erleidet, dass es einen Unfallschaden hatte, unabhängig von der Reparaturqualität.
So gehen Sie Schritt für Schritt vor
Unfallstelle sichern
Warnblinker an, Warndreieck aufstellen, bei Verletzten sofort den Notruf wählen.
Beweise sichern
Fotos von allen Fahrzeugen, Kennzeichen, Unfallstelle und Schäden machen, Zeugen notieren.
Gutachter beauftragen
Rufen Sie einen unabhängigen Gutachter Ihrer Wahl an, nicht den der gegnerischen Versicherung.
Ansprüche geltend machen
Mit dem Gutachten in der Hand fordern Sie Reparaturkosten, Mietwagen und Wertminderung ein.
Wichtig: Warten Sie mit Ihrer Unterschrift unter ein Abfindungsangebot der Versicherung, bis ein unabhängiges Gutachten vorliegt. Einmal unterschrieben, lassen sich Ansprüche kaum noch nachträglich durchsetzen.
Häufige Fragen
Nein. Als Geschädigter haben Sie das Recht, einen unabhängigen Gutachter Ihrer Wahl zu beauftragen. Die Versicherung darf Ihnen keinen eigenen Gutachter aufdrängen.
Solange die Haftung strittig ist, sollten Sie mit der Reparatur warten, bis ein Gutachten vorliegt. Das schützt Sie davor, auf Kosten sitzen zu bleiben.
Trifft Sie eine Teilschuld, werden Ihre Ansprüche entsprechend der Haftungsquote gekürzt. Bei beispielsweise 30 % Mitverschulden erhalten Sie 70 % Ihres Schadens erstattet.
Ja. Sie können sich die im Gutachten festgestellte Reparatursumme auch auszahlen lassen, ohne das Fahrzeug tatsächlich reparieren zu lassen (fiktive Abrechnung).
Schadensersatzansprüche verjähren in der Regel nach drei Jahren. Trotzdem sollten Sie zeitnah handeln, damit Beweise und Erinnerungen frisch sind.
Lassen Sie Ihre Ansprüche unabhängig prüfen
Ich erstelle Ihr Gutachten, kostenlos für Sie bei unverschuldetem Unfall.